- Gerhard Drexler MdB a.D. Ehem. Mitglied des Finanz-und Petitionsausschusses

Ein Jahr im Bundestag

Mitten auf dem Cover des Bestsellers "Das Hohe Haus " von Roger Willemsen

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Mit einem Gong beginnt er - der Sitzungstag im Hohen Haus. Und mit diesem Gong hat im vergangenen Jahr auch jeder Arbeitstag von Roger Willemsen begonnen. Zunächst noch ohne Sitzkissen, später mit. Die Bank der Opposition mag hart sein, härter sind die Sitze oben auf der Besuchertribüne - so eine Erkenntnis des Autors. Den Abgeordneten Sitzungstag für Sitzungstag genau auf die Finger zu schauen, nicht unbedingt ein Garant für einen Bestseller: "Das hätte sehr spröde Materie werden können", bekennt Willemsen.
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Ein Jahr im Bundestag

Das Hohe Haus von Roger Willemsen

Ist es aber nicht geworden. Im Gegenteil. Roger Willemsen gelingt es, auf knapp 400 Seiten bemerkenswerte Details aus einem Jahr im Hohen Haus zu erzählen. Im Jahr 2013 waren das rund 40 Sitzungstage - mit vielen Abschieden, einer Bundestagswahl und einem Neuanfang: "Dass ich das Jahr in einem entscheidenden Augenblick würde fixieren können, wo nicht nur die FDP wegfiel, sondern die Große Koalition entstand mit fatalen Folgen - wie ich glaube - für das ganze Parlament, das war mir vorher nicht bewusst, das konnte ich nicht wissen", so der Autor.


Impressionen aus dem wichtigsten Saal unserer Demokratie

Glück gehabt - aber nicht nur das. Es ist auch die Art und Weise, wie der Autor seine Beobachtungen aufgeschrieben hat. Unverwechselbar. Im besten Sinne eigenartig. Willemsen eben: floskelfrei, mit eigenen, manchmal eigenwilligen Bildern, einer lebendigen Sprache, einem liebevollen Blick. Dem Mann auf der Besuchertribüne war das Parlament mehr Mühe wert, als vielen Damen und Herren auf den besten Plätzen im wichtigsten Saal unserer Demokratie: "Ich fürchte, dass niemand mit dem Hohen Haus so wenig achtungsvoll umgehen kann, wie das Hohe Haus mit sich selber umgeht, indem es immer wieder die Pantomime der Verachtung der Diskussionskultur gegenüber zeigt."


Roger Willemsen hat ein Jahr lang den Politikern im Bundestag auf die Finger geschaut. Über seine Zeit im Parlament schreibt er in seinem neuen Buch "Das Hohe Haus". mehr

Willemsen stören die verächtlichen Gesten, die missbilligenden Zwischenrufe. Immer wieder entsetzt ihn die Ignoranz des ein oder anderen Abgeordneten. Zum Beispiel während der Debatte über die Ergebnisse des NSU-Untersuchungsausschusses. Auf der Besuchertribüne: die Angehörigen der ermordeten Türken, der türkische Botschafter, Bundespräsident Gauck. Die Stimmung im Parlament - beklommen: "Und dann kommt mit 20 Minuten Verspätung der Kulturstaatsminister gebräunt wie immer und agiert lachend in alle Himmelsrichtungen, holt sich den zum Gespräch, den nächsten und man guckt von der Tribüne und sagt sich: Hier gibt es einen, der hat es nicht begriffen, worum es hier geht; das ist der Kulturvertreter." Der CDU-Poltiker Bernd Neumann, der Ex-Kulturstaatsminister.

Willemsen beobachtet so unvoreingenommen wie möglich
Auch auffällig viele FDP-Vertreter kommen in dem Buch schlecht weg. Roger Willemsen versichert, er habe so unvoreingenommen beobachtet, wie das eben mit seinen 58 Jahren möglich sei: "Ich war ja froh, wenn ich eine gute Rede von einem CDU-Mann gehört habe, oder von einem FDP-Mann und ich hätte gerne eine große Ausgewogenheit da drin gehabt und irgendwann hab ich gedacht, das ist ein steriler Wert, diese Ausgewogenheit."

Die Abgeordneten der Linken hält er für unverzichtbar. Sie lieferten in Debatten oft wichtige Informationen. Frauen attestiert Willemsen Sachverstand, Männern hingegen häufig Selbstverliebtheit. Wer diese Ansichten nicht unbedingt teilt, wird trotzdem Freude beim Lesen haben. Denn so einen genauen Blick - nicht nur auf unsere erste Reihe im Bundestag, sondern auch auf die zweite und dritte - den gab es bisher nicht. "Das Hohe Haus" ist zweierlei: Ein Buch für uns, das Volk. Und ein blauer Brief für unsere Volksvertreter, für die der Autor das Nachsitzen auf einer harten Besucherbank übernommen hat.
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